Das Dorffest 2011 ist zu Ende !

Vielen Dank an alle Mitwirkende und Besucher.

Arbeitskreis Heimatforschung Spielberg

"Vom Flachs zum Leinen".
Harte Arbeit, starker Stoff. Eine Zeitreise von der Steinzeit bis heute.

Der Anbau von Flachs lässt sich in Deutschland seit der Jungsteinzeit ca. 4700 v. Chr., seine Bearbeitung zu Leinen ab 2700 v. Chr. nachweisen. Die ältesten Leinsamenfunde stammen aus dem Iran und der Türkei ca. 7000 v. Chr. Während die ältesten Nachweise für die Leinenverabeitung aus Ägypten stammen. Es handelt sich hierbei um Leinenstoffe aus dem frühen 4. Jahrtausend v. Chr. Seit der griechisch-römischen Antike bis ins europäische Mittelalter war Leinen neben Wolle das Material für Kleidung. Aber erst die massenhaften Einführung von billiger und leichter zu verarbeitender Baumwolle im 19. Jahrhundert verdrängte den arbeitsintensiven Leinen aus der Stoffproduktion. Damit endete die Zeit, als unsere Vorfahren ihre Kleidung und Wäsche aus einer selbst gezogenen Pflanze gewinnen mussten.
Die Aussaat des Lein bzw. Flachs liegt je nach Witterung und Lage zwischen Mitte April und Mitte Mai. Der Flachs braucht nur 100 Tag bis zur Reife. Während dieser Zeit muss das Feld regelmäßig vom Unkraut befreit werden um eine gute Qualität der Fasern zu garantieren. Nach seiner Ernte wird der Flachs bzw. der Lein gerauft, getrocknet, geriffelt, geröstet, gebrochen, geschwungen, gehechelt, gesponnen, gewoben, gewaschen, gebleicht und genäht. Es handelt sich also um ein sehr aufwändiges Verfahren. Diese Art der Flachsverarbeitung hat sich über die Jahrtausende kaum verändert.

Hochkonjunktur hatte die handgefertigte Aussteuer auf dem Land seit der Biedermeierzeit (1815 -1848). Mädchen und Frauen fertigten Kleidung, Tisch- und Bettwäsche aus Leinen an, schmückten sie mit kostbaren Stickereien und ihren Initialen. Die Aussteuer galt als Status Symbol. Ein Mädchen, das in seiner Truhe feine Leinenwäsche lagerte, galt als gut Partie. Sie schien tüchtig und hatte ihre Jugendzeit nicht vertändelt. Fleiß war ein Ideal, dass in allen Schichten als äußerst erstrebenswert galt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts kauften die Eltern die Aussteuer ihrer Töchter im Laden.

Heute sind Leinenprodukte wieder stark im Kommen. Wer mit den Fingern über den Stoff streicht kann die Vorteile ertasten. Leinen besticht durch Eleganz, Schlichtheit und Güte, es schmeichelt der Hand und dem Auge.

In unserer Ausstellung im Familien- und Bürgertreff Traube beim Dorffest am 4. und 5. Juni werden unter anderem 2 Betttücher präsentiert, die drei Kriege überstanden. Es wurde Flicken auf Flicken gesetzt, was heute wie eine interessante Patchworkarbeit wirkt, stellt jedoch einen aus großer Not entstandenen Gebrauchsgegenstand dar.

Wer noch alte Stücke aus Leinen oder der Flachsverarbeitung besitzt und zur Ausstellung beitragen will, kann sich bei Ingrid Ott Tel. 8640 melden.

Die Ausstellung ist im Familien- und Bürgertreff Traube im großen Saal zu sehen.





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